Siegen. Wie können Familien auch dann unterstützt werden, wenn Partnerschaftsgewalt die Beratung überschattet? Mit dieser Frage beschäftigten sich kürzlich Jochen Becker, Silke Menn-Quast und Nicole Siegmund von der Brücke e. V. sowie Dr. Enno von Fircks und Irene Schwarz von unserer Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern. Ziel des Austauschs war es, die jeweiligen Angebote besser kennenzulernen und Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit auszuloten.
Die Brücke e. V. verfügt über langjährige Erfahrung in der Gewaltprävention und führt unter anderem das Training für Männer, die in der Partnerschaft Gewalt ausgeübt haben (TVHG), durch. Vor der Aufnahme in die Gruppe finden drei bis fünf Einzelgespräche statt, in denen Motivation und Eignung geprüft werden. Das Training setzt eine aktive Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten voraus und kann nicht lediglich „abgesessen“ werden.
Ein wichtiges Ergebnis des Gesprächs war, dass Beratungsprozesse in der Erziehungsberatung und im TVHG grundsätzlich parallel stattfinden können. Auf diese Weise erhalten Familien eine Perspektive, während die Gewaltproblematik zugleich verbindlich bearbeitet wird. Für die fallbezogene Zusammenarbeit sollen wechselseitige Schweigepflichtsentbindungen oder anonymisierte Fallberatungen genutzt werden.
Als gemeinsames Zukunftsprojekt ist eine Vätergruppe mit etwa zehn Sitzungen denkbar. Zielgruppe, Inhalte, Methoden und Finanzierung sollen gemeinsam konkretisiert werden.
