Madlen Engelmann (WG Tannenzweige) und Schäfer Nick
Madlen Engelmann (WG Tannenzweige) und Schäfer Nick
Gerne erzählt Nick etwas über das Rauwollige Pommersche Landschaf
Gerne erzählt Nick etwas über das Rauwollige Pommersche Landschaf

Ein „tierisches“ Wiedersehen

Erstellt von Madlen Engelmann |

Nach mehreren Jahren kreuzen sich zufällig die Wege der WG Tannenzweige mit dem ehemaligen Betreuten Nick, der heute in der Schafhaltung tätig ist.

Wittstock. Über neun Jahre ist es her, dass die Wohngruppe Tannenzweige wieder einmal „Lebe wohl“ sagte. Verabschiedet wurde Nick, der viele Jahre in der Wohngruppe lebte – ein pubertierender Jugendlicher im Konflikt mit den gesellschaftlichen Anforderungen. Beim Einzug im Jahr 2011 dachte sich Nick noch, ein Zusammenleben in einer WG wird kompliziert und anstrengend. Er war es nicht gewohnt, mit enger Struktur und klaren Regeln mit so vielen Kindern und Jugendlichen unter einem Dach zu wohnen. Heute benennt er sehr deutlich: „Es war das Beste, was mir passieren konnte. Ich wäre heute nicht da, wo ich jetzt bin, das Blatt hat sich komplett gedreht.“ Sein Alltag hat Struktur bekommen, sein Leben änderte sich zum Positiven.

Heute ist Nick 25 Jahre alt und erinnert sich oft zurück an die Zeit bei den Tannenzweigen – an so manchen Unsinn, an einige Kinder und Mitarbeitende, an schöne und auch traurige Stunden. Im Gespräch sagt er schmunzelnd: „Ich habe die Erzieherinnen und Erzieher immer doll beschäftigt damals.“ Nick lebte sechs Jahre bei den Tannenzweigen, der Übergang in das Betreute Wohnen fiel ihm schwer, trotz Verbleib im Friedenshort. Es fühlte sich so spontan an, blickt er im Interview zurück. War er schon genug vorbereitet, kommt jetzt schon das Erwachsenwerden?

Nick zog später in eine eigene Wohnung und absolvierte eine Ausbildung zum Tischler. Nach der Ausbildung ergab sich eine kurze Findungspause. Nick hatte schon immer ein großes Herz für Tiere. Er hielt sich sogar heimlich einen Hund im Garten eines Freundes, während er in der Wohngruppe lebte. Da er den Kontakt zu Tieren immer als bereichernd erlebt hatte, überlegte er, wie er vielleicht Job und Interesse verbinden könnte. Seit sieben Jahren ist Nick nun in einem landwirtschaftlichen Unternehmen tätig, hat mittlerweile den kompletten Aufgabenbereich der Schafsbetreuung übernommen und ist in der Naturschutzpflege aktiv. Auch privat ist er Mitglied in einem Kleintierzuchtverein, züchtet Gänse, Tauben und Enten und betreibt sogar einen mobilen Hühnerstall.

2022 kam ein zufälliger Chat mit ihm zustande – damals wusste ich noch nicht, dass es Nick war, mit dem ich schrieb. Auf einer Online-Verkaufsbörse suchten wir nach einem Schäfer, der uns einen Einblick in die Schafhaltung geben kann – eine interessante Thematik, die im Rahmen des trägerinternen Kompetenztrainings der Wohngruppe Tannenzweige vertieft werden sollte. Nick antwortete, dass er Schafe halte, gern einen Besuch bei seiner Herde einplanen würde und mehr vom Rauwolligen Pommerschen Landschaf berichten könne. Beim Treffen stellte sich heraus – wir kennen uns!

Es freut uns sehr, dass wir uns so unverhofft wiedergesehen haben … Gottes Fingerabdruck … Wir wünschen Nick weiterhin alles Gute auf seinem Lebensweg.

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