Heiligengrabe. 80 Jahre voller Geschichten, Begegnungen und gemeinsamer Wege. Der Jubiläumstag am 9. September 2026 war mehr als eine Feier und ein Rückblick – er war ein Zeichen der Verbundenheit. Die Friedenshort-Geschichte wurde ganz lebendig: im Erzählen, im Erinnern, im Wiedersehen und im gemeinsamen Blick nach vorn.
Friedenshortrucksäcke lagen als Willkommensgruß auf den Plätzen der Kirche des Klosters Stift zu Heiligengrabe. In seiner Begrüßungsrede griff Matthias Fickler, Regionalleiter der Stiftung Diakonissenhaus Friedenshort Heiligengrabe, sie als Metapher auf: für den unsichtbaren Rucksack, den Mitarbeitende jeden Tag mit sich tragen. „Oft ist dieser Rucksack schwer gefüllt – mit Terminen, To-do-Listen und den Herausforderungen des Alltags. Er ist vollgepackt mit Dingen, die wir erlebt, gesagt, gefühlt oder gedacht haben – und die wir innerlich nicht loslassen können.“ Als umso wichtiger betonte er den Gedanken der Gemeinschaft, der gegenseitigen Unterstützung, Wertschätzung und des Glaubens, um den eigenen Rucksack nicht allein tragen zu müssen. „Denn Jesus hat uns beauftragt, füreinander das zu sein – gemeinsam stark zu sein und manches von dem auszupacken, was uns belastet.“ Die Mitarbeitenden wurden ermutigt, ihren Rucksack mit eigenen Ideen zu packen, „mit neuem Wissen und großartigen Erlebnissen, tollen Erfahrungen, unvergesslichen Momenten, aber auch mit Dingen, die ihnen im Alltag guttun und persönlich Kraft schenken“. Dieser kraftvolle Gedanke wurde anschließend im gemeinsamen Singen des Friedenshortliedes hörbar.
Begrüßt werden konnten auch Pfr. Markus Holmer, Vorsitzender des Kuratoriums, und Axel Förster als Mitglied des Kuratoriums. Pfr. Holmer blickte in seiner Andacht auf die Geschichte des Friedenshortes in Heiligengrabe und erinnerte daran, was in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen und erhalten geblieben ist. Trotz aller Veränderungen und Entwicklungen verbindet die Menschen bis heute das Anliegen, füreinander da zu sein und – wie von Eva von Tiele Winkler geprägt – Vertrauen auf Gott zu haben.
“Unsichtbares, aber spürbares Fundament”
Eine schöne Geste hatten sich Matthias Fickler und Carola Altmann (Regionalleiterin Ev. Jugendhilfe Friedenshort Ost) überlegt. 25 verschiedenartige Blumen – eine für jeden Arbeitsbereich, einzigartig und unverzichtbar – steckten sie, verbunden mit individuellen Dankesworten an die Mitarbeitenden, in Friedenshort-Häuser-Vasen. Die entstehenden Sträuße verdeutlichten als gemeinsames Ganzes die Vielfalt, die Kraft und die tägliche Arbeit im Friedenshort Heiligengrabe. Carola Altmann betonte: „Der Friedenshort lebt nicht nur vom praktischen Tun im Hier und Jetzt. Der Friedenshort Heiligengrabe lebt von einer tieferen Kraft, von unseren Wurzeln und von einem unsichtbaren, aber spürbaren Fundament. Und dieses Fundament wird seit jeher von unseren Diakonissen getragen.“ Umso mehr war der Besuch von Sr. Christine, Sr. Renate und Sr. Irmchen eine Freude, die den langen Weg aus Freudenberg auf sich genommen hatten und mit ihrer Anwesenheit verdeutlichten, dass die Verbindung zur Schwesternschaft bis heute besteht und lebendig ist. „Ihre treuen Gebete sind das leise, aber unendlich starke Band, das den Friedenshort seit Jahrzehnten umgibt. In Zeiten des Wandels, in Momenten der Sorge, aber auch an Tagen der Freude wissen wir uns von Ihren Gebeten getragen“, dankte Carola Altmann den Schwestern und überreichte ihnen eine der beiden Friedenshort-Vasen. Als einen „starken Rückhalt, der uns Vertrauen schenkt, uns stärkt, Impulse gibt und unsere Visionen mitträgt“, wurde das Kuratorium von Matthias Fickler wertgeschätzt. Pfr. Holmer nahm stellvertretend die zweite Vase entgegen. Gitarrenklänge von Carmen Lübke, Liedbeiträge des Chores und gemeinsames Singen umrahmten die Wortbeiträge.
Miriam, die Tochter von Pastor Holmer, als Journalistin in Israel lebend und tätig, nutzte den Besuch bei den Eltern, um wertschätzende Grußworte an die Mitarbeitenden des Friedenshortes zu richten. Sie übergab allen Anwesenden einen Magneten, auf dem das Kloster und der Psalm Markus 9,23 „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ abgebildet sind – ein Geschenk und eine Erinnerung daran, dass Glaube, Hoffnung und gemeinsames Handeln auch in Zukunft Wege eröffnen können.
Im Anschluss war ein gemütliches Beisammensein im Kapitelsaal des Kloster Stift zu Heiligengrabe vorbereitet. Bei einem Brunch nahm Sr. Christine mit einem Fotobeitrag alle mit in vergangene Zeiten. So manches ließ sie durch ihre persönlichen Erinnerungen an ihre Arbeit in Heiligengrabe und durch Einwürfe der Gäste wieder lebendig werden, was längst Geschichte geworden ist. Der folgende Rundgang über das Stiftsgelände führte zu den wichtigsten Orten der gemeinsamen Geschichte … und vorbei an bereits mehrtägigen Dreharbeiten eines Films mit Uschi Glas und Katharina Thalbach. Da waren Selfies und ein Foto unserer Diakonissen mit – nicht echten – Schwestern eine unterhaltsame Bereicherung.
Geschichte, die weitergeschrieben wird
Der Jubiläumstag zeigte eindrucksvoll, dass 80 Jahre Friedenshort mehr als eine Zahl sind. Es ist eine Geschichte, die von Menschen geschrieben wurde und weitergeschrieben wird. Von den Schwestern, die hier nach dem Krieg einen Neuanfang wagten. Von Kindern und Jugendlichen, die im Friedenshort ein Zuhause fanden und finden. Von Menschen mit Unterstützungsbedarfen, die über Jahre hinweg begleitet wurden und werden. Von den Mitarbeitenden, die gestern und heute Verantwortung mit und trotz ihres eigenen Rucksackes übernahmen und übernehmen. Und von all den Menschen, die den Friedenshort begleiten und mitgestalten. Gleichzeitig ist ein Jubiläum auch immer ein Blick in die Zukunft. Wenngleich sich Aufgaben verändern, Herausforderungen hinzukommen und sich die Arbeit mit Menschen weiterentwickelt, der Friedenshort hat in seiner Geschichte am Standort immer wieder gezeigt: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt“ und dass Veränderung möglich ist, ohne die eigenen Werte aufzugeben.









