Sitzungsimpressionen mit den Teilnehmenden
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Referentin Dr. Lena Marbacher
Sitzungsimpressionen mit den Teilnehmenden
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Gruppenbild aller Teilnehmenden

Anspruchsvolle Themen und reger Austausch

Erstellt von Henning Siebel |

Der Friedenshort war Gastgeber für die Westkonferenz 2026 des Kaiserswerther Verbands.

Freudenberg/Berlin. Begegnung, Gespräch und Austausch zu wichtigen Themen in Mitgliedseinrichtungen der Mutterhaus-Diakonie sind jährlich fester Bestandteil von Regionalkonferenzen im Kaiserswerther Verband deutscher Diakonissen-Mutterhäuser e.V. mit Sitz in Berlin. Für die Westkonferenz war in diesem Jahr die Stiftung Diakonissenhaus Friedenshort in Freudenberg (Südwestfalen) Gastgeber vom 24. Bis 25. Februar. Dazu begrüßten Leitende Theologin Pfrn. Ute Riegas-Chaikowski und Kaufmännischer Leiter Götz-Tilman Hadem die Teilnehmenden im Konferenzraum der Gesamtverwaltung. Die wesentlichen Arbeitsfelder und hauptsächlichen Standorte des Friedenshortes stellte Henning Siebel (Leiter Unternehmenskommunikation) in einer anschaulichen Präsentation vor.

Zwei durchaus anspruchsvolle Themen standen im Mittelpunkt der diesjährigen Westkonferenz: „Führung, Verantwortung und Macht(Missbrauch)“ sowie „Rechtliche Aspekte der Anerkennungsleistungen für erlittene sexualisierte Gewalt in Einrichtungen von Kirche und Diakonie". In seiner Andacht zum Auftakt verband Pfr. Thomas Lunkenheimer, theolog. Vorstand der Diakonie Stiftung Salem, als Vorsitzender der Westkonferenz seine Gedanken zur Passionszeit mit diesen beiden Themen. Den Leidensweg Jesu in den Blick zu nehmen fordere zu einer Neuorientierung heraus. Die Art und Weise, wie Jesus mit Menschen umgegangen und ihnen liebevoll begegnet sei, müsse dazu führen, eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen, gerade mit Blick auf die Aspekte Macht und Missbrauch. Pfr. Lunkenheimer zitierte 2. Korinther 1,24. In dem Vers geht es unter anderem darum, nicht über andere Menschen zu herrschen, sondern so zu helfen, dass es dem Gegenüber zur Freude gereicht: „Ich verstehe diesen Vers auch als Aufforderung, zum Beispiel unser diakonisches Profil und Führungsverhalten in Frage zu stellen und zu korrigieren.“ Neu auf das Evangelium zu hören helfe, womöglich eingetretene Pfade zu verlassen. „Mit seiner befreienden Kraft gibt uns das Evangelium die Richtung vor“, betonte Pfr. Lunkenheimer.

Für das Auftaktthema „Führung, Verantwortung und Macht(missbrauch)“ war Dr. Lena Marbacher zu Gast, Autorin und freie Journalistin mit Schwerpunktthemen Arbeit, Wirtschaft und Gesellschaft. Dabei definierte die Referentin zunächst, welche Aspekte für Machtmissbrauch bedeutsam sind und dass auch Formen von Kritik dazu zählen: „Wenn Kritik herabwürdigt und fortwährend nicht mit Fakten belegt werden kann, dann ist das Machtmissbrauch!“ Daher sei es wichtig, Leistung anhand von klaren, transparenten Zielen zu beurteilen. Ein weiterer Schwerpunkt Marbachers galt der Unternehmenskultur mit Blick auf festgestellten (sexuellen) Missbrauch. Wichtig sei dabei, mit klaren Regeln im Sinne der Betroffenen zu handeln inklusive rascher Konsequenzen: „Wer nicht direkt sanktioniert, duldet und bestärkt damit das Fehlverhalten!“ Die Referentin zeigte etliche Möglichkeiten auf, die aus ihrer Sicht zu einer guten Kultur des Miteinanders gehören und (Macht)Missbrauch entgegenwirken. Dazu gehören unter anderem: 

  • Formale Regeln und informale („Trampelpfade“), damit sich Menschen leicht anvertrauen können
  • Anreize schaffen, an guten Strukturen mitzuwirken
  • Evaluation
  • Workshops (deren Einfluss aber nicht überbewertet werden dürfe)
  • Moderation (ein Ohr haben für die Belange der Mitarbeitenden)
  • Sozialer Druck (Hilfe belohnen und auch für beschuldigte Mitarbeitende da sein)

Der engagierte Vortrag führte zu einer angeregten Diskussion und bot viele Impulse, die von den Teilnehmenden in ihre Einrichtungen mitgenommen werden konnten.

„Stand der bundesweiten Umsetzung relativ weit fortgeschritten“

Am Folgetag war nach dem Andachtsimpuls von Pfrn. Ute Riegas-Chaikowski per Teams-Konferenz Dr. Max Mälzer zugeschaltet, Hauptgeschäftsführer des Verbands diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD). Er referierte zu rechtlichen Aspekten der so genannten Anerkennungsleistungen, die bislang regional unterschiedliche Anerkennungsverfahren und Leistungsmodelle vereinheitlichen sollen. „Dies ist als Reaktion auf die Forumsstudie zu verstehen, um Verbesserungen im Verfahren im Sinne der betroffenen Personen bundesweit durchzusetzen“, erläuterte Dr. Mälzer. Neben einem niederschwelligen Antragsverfahren, der individuellen und (bei strafbarer Tat) auch Pauschalleistung seien als weitere Kernpunkte das Recht auf ein Gespräch sowie eine reine Plausibilitätsprüfung wesentliche Elemente. Der Stand der bundesweiten Umsetzung ist laut Dr. Mälzer relativ weit fortgeschritten. Einige aus Sicht der Diakonie wesentliche Aspekte seien in die Richtlinien eingeflossen, unter anderem verpflichtende Informationen an die Träger/Dienstgeber über das Verfahren sowie Klarheit, dass es keine Rechtsnachfolge für Taten geben könne, die in nicht-kirchlichen und nicht-diakonischen Einrichtungen verübt worden sind. Einen regen Austausch im Plenum gab es zum Aspekt, wie solche Anerkennungsleistungen gemeinnützigkeitskonform gewährt werden können. Nach bisherigen Rückmeldungen von Steuerbehörden gibt es diesbezüglich noch Klärungsbedarf.

Informationen aus den Mitgliedseinrichtungen, Begegnungen mit der Friedenshort-Schwesternschaft beim gemeinsamen Abend- und Mittagessen sowie eine kurzweilige Altstadtführung mit dem Freudenberger Nachtwächter Richard Flender rundeten die Tagung ab. Zur neuen Vorsitzenden der Westkonferenz wurde Pfrn. Martina Tirre (Vorstand Kurhessisches Diakonissenhaus Kassel) gewählt. Ihre Stellvertreterin ist Dagmar Nitschke (Pflegevorstand diakonis Detmold).

Links

Instagram-Beitrag zur Westkonferenz im Friedenshort

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