Das Friedenshortwerk – Hausmagazin
SERIE: MEIN FRIEDENSHORT 23 nachtszimmer«, beschreibt Gutjahr die stets schönste Zeit in der Kinderheimat. Das »Mütterchen« hatte alles liebevoll geschmückt. Geschenke gibt es für die Kinder von ihren »Sternen«, die ähnlich wie Paten für die Kinder sind. Irmgard Gutjahr und ihr Bruder Werner werden von einem Bäckerehepaar aus Pforzheim bedacht. An eine bildschöne Puppe mit großen Schlafaugen erinnert sie sich noch heute – ebenso an das Essen zu Heiligabend: Kartoffelsalat und Würstchen und zum Nachtisch Streu - selkuchen und Kakao. Das Kriegsende beendet jedoch zugleich im Mai 1945 diese behütete Zeit im Riesengebirge. Die Kinder sehen die Panzer der sowjetischen Armee nach Michelsdorf rol- len – und zwar aus der Ferne, weil sie sich zuvor im Wald versteckt hatten. Durch ihre Lehrerin werden sie jedoch zurückgeholt. Die Soldaten sind nach ihrer Erinnerung freundlich, ziehen bald weiter. An die etwas später fol- gende polnische Hausleitung »Frau Nora« hat Irmgard Gutjahr jedoch keine guten Erinnerungen. Das Essen wird rationiert, Kinder, die noch Angehörige haben, müssen zu diesen zurückkehren. Alle anderen Kinder, Diakonis- sen und Helferinnen müssen am 6. November 1945 end- gültig das Haus verlassen. »Im großen Schwesternsaal mussten wir vor dem Weggang unsere Habseligkeiten ausbreiten, fast alles wurde uns weggenommen, sogar ein Teil der mehrfach übereinander angezogenen Klei- dung«, so ist ihr der schlimme Tag noch präsent. Es folgt eine entbehrungsreiche Zeit, als Vertriebene un- terwegs zu sein. Lange Fußmärsche, Hunger, Versuche, bei Bauern etwas zu ergattern, um oft vom Hof gejagt zu werden. Über verschiedene Zwischenstationen geht es nach Langenau in ein Haus des Friedenshortes. Dort verbringt die Gruppe 1945 auch Weihnachten: »Es gab nichts zu kaufen, wir hatten aber eine schöne Tanne aus dem Wald und sangen Weihnachtslieder. ›Kartoffelpuffer‹ aus Rübenschnitzel war unser Festessen.« Im November 1946 geht die Reise weiter. Die Gruppe muss sich teilen. Sr. Martha Garisch kümmert sich nun um die 15 Kinder der Gruppe von Irmgard Gutjahr. Zwischenzeitlich sieht es sogar so aus, als werde den Diakonissen die weitere Betreuung staatlicherseits verwehrt! Die Kinder landen zu mehreren hundert in einem Lager. Durch persönlichen Einsatz von Diakonissen und auch ihrer »Sternentante« Hanna Waurig wird dann das Kloster Stift in Heiligengra- be das neue Zuhause. »Im März 1947 kamen wir mittags unter Glockengeläut dort an, endlich wieder eine Hei- mat zu haben, war mein hauptsächlicher Gedanke«, be- schreibt Irmgard Gutjahr ihre Empfindungen. Im Herbst trifft auch »Mütterchen« Sr. Margarethe Krüger ein und übernimmt wieder die »Edelweißfamilie«. Im Frühjahr 1948 wird Irmgard Gutjahr konfirmiert. Als Gast lädt sie ein früheres Heimatkind aus Michelsdorf ein. Im August 1949 endet die Zeit bei ihrem »Mütterchen« und in der »Mütterchen« Sr. Margarethe Krüger (li.) und Sr. Anna Poralla von der Kinderfamilie »Mutters Freude«
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