Das Friedenshortwerk – Hausmagazin
SERIE: MEIN FRIEDENSHORT 22 »Jeder Sonntag war für uns ein Feiertag« Zur Kinderheimat gehört eine umfangreiche Landwirt- schaft, alles ist auf Selbstversorgung ausgelegt. Gemüse und Kartoffeln werden angebaut, Hühner, Gänse, Kühe und Schweine leben im Stall und auf der Weide. Nachmit- tags müssen deshalb fast alle mithelfen. Feldarbeit und Kühe hüten gehört für die großen Kinder dazu, nur die Kleinen können auf die Spielwiese. Auch die so genann- ten Haustöchter, die eine hauswirtschaftliche Ausbildung durchlaufen, haben alle Hände voll zu tun. Je nach Jah- reszeit werden Heu, Kartoffeln oder Getreide geerntet. Eimerweise sammeln die Kinder auch Beeren im Wald: »Zur Blaubeerzeit ist dann immer die Beerenkönigin oder der Beerenkönig gekrönt worden als Anerkennung für den vollsten Eimer.« Nach dem Abendessen und dem Abendgebet ist ab 20 Uhr Nachtruhe. »Jeder Sonntag war für uns ein Feiertag«, berichtet die 87-Jährige. Alle Kinder ziehen sich fein an. An die Füße kommen Ledersandalen, ansonsten sind die Kinder von Frühjahr bis Herbst in der Regel barfuß unterwegs. Um 11 Uhr beginnt der Kinder- gottesdienst. Johanna, die in der Kinderheimat in der Waschküche arbeitet, bringt ihnen Jesus nahe. »Johannes 3 Vers 16 ist mir damals besonders wichtig geworden: ›Also hat Gott die Welt geliebt, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.‹« Zum Sonntag gehört auch immer ein beson- deres Mittagessen. »Manchmal durften wir den großen Kochtopf leerkratzen, was wir mit Wonne taten«, erzählt sie. Nachmittags gibt es für Groß und Klein den Sonn- tagsspaziergang, meist wird dabei gesungen. Sehr lebendig ist die Erinnerung von »Irmi« Gutjahr auch noch an die Winterzeit mit viel Schnee im Riesen- gebirge und den verhassten dicken kratzigen Knie- strümpfen. Winter bedeutet zugleich Weihnachtszeit. »An Heiligabend konnten wir es kaum erwarten, bis das Weihnachtsglöcklein läutete, dann ging es ins Weih- Die Kinderheimat »Haus Gottestreue« in Michelsdorf Sonntagsspaziergang in Michelsdorf mit Sr. Magdalene Schneidewind Juni 1939: Vordere Reihe 2. und 3. v. l.: »Irmi« und ihr Bruder Werner, zweite Reihe 2. v. l. ihr späterer Ehemann Ralph. Hinter Sr. Magdalene steht Elly Nonnenmacher, eine gute Freundin bis zum heutigen Tag.
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