Das Friedenshortwerk – Hausmagazin

Bei überwältigender Zustimmung für »Das fast normale Leben« gibt es auch vereinzelt kritische Stimmen, vor allem aus dem Bereich organisierter »CareLeaver«, die eine Verletzung von Persönlichkeitsrechten monieren, »Machtmissbrauch« durch Abhängigkeit, nicht absehbare Langzeitfolgen bis hin zur völlig ablehnenden Haltung »ein solcher Film hätte niemals entstehen dürfen«. Dem möchte ich entgegenhalten: doch, er musste unbedingt entstehen. Dieser Film von Stefan Sick war und ist richtig und wichtig! Vier Argumente sind dabei für mich bedeutsam: 1. Das filmische Konzept, konsequent den Blickwinkel der jungen Menschen einzunehmen: In stationärer Jugendhilfe betreuten Kindern und Jugendlichen, die ansonsten weitgehend außerhalb gesellschaftlicher Wahrnehmung bleiben, hat der Film eine Stimme verliehen! Für mich ist der Film in mehrfacher Hinsicht ein Plädoyer für Wertschätzung geworden. Wertschätzung für junge Menschen in einem solchen Hilfe-Setting, Wertschätzung für die von großer Empathie und Geduld getragene Arbeit der päda- gogischen Mitarbeitenden und drittens Wertschätzung für die Bedeutung dieser Form sozialer Arbeit insgesamt. 2. Jugendhilfe aus dem Dilemma von Vorurteilen, Stigmatisierung und Unkenntnis herauszulösen: Stigmata und Vorurteile entstehen vor allem durch Unkenntnis. Deshalb ist es eine riesige Chance, den Stigmata in authentischer Form mit diesem Dokumentarfilm entgegenzutreten. Aktuell stehen Leistungen der sozialen Arbeit politisch auf dem Prüfstand. Dieser bewegende Dokumentarfilm kann im besten Wortsinn etwas bewegen und ist in der Lage, einen Bedeutungstransfer zu leisten, um die Wichtigkeit von stationärer Jugendhilfe nicht nur theoretisch zu thematisieren, sondern praktisch zu untermauern! 3. Die sehr positiven Rückmeldungen aus dem Kreis der Protagonistinnen und ihrer Familien: Die jungen Menschen und ihr Umfeld stehen zu diesem Film, auch jetzt noch mit zeitlichem Abstand von mehreren Jahren. Hinzu kommt der Rückhalt aus dem Bereich der beteiligten Ämter bis hin zu den übergeordneten verbandlichen Fachstellen. 4. Die zugesicherten Rahmenbedingungen wurden eingehalten: Die Vorgehensweise war behutsam und wertschätzend mit umfassender Beteiligung und Mitsprache durch die Protagonistinnen und ihre Familien. Das Schutzkonzept umfasste eine psychologische Begleitung, eine Begleitung durch Experten des Jugendmedienschutzes sowie unter anderem ein bewusst unbiografisches filmisches Vorgehen sowie die Möglichkeit, zu jedem Zeitpunkt noch aussteigen zu können. Das Vertrauensverhältnis zu Regisseur Stefan Sick war und ist daher unglaublich groß! Aus meiner Sicht vollkommen zu Recht. Warum dieser Film trotz vereinzelter Kritik richtig und wichtig ist Kommentar von Henning Siebel, Leiter Unternehmenskommunikation FRIEDENSHORT 9

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