Das Friedenshortwerk – Hausmagazin

130 JAHRE FRIEDENSHORT 8 Nach dem Tod des Paares erbte Franz Wincklers Tochter aus erster Ehe, Valeska von Winckler-Domes, das riesige Vermögen. 1854 heiratete sie den Oberstleutnant Hubert von Tiele. Man vereinigte die Geburtsnamen und die Wappen der Eheleute und ihre Nachfahren trugen fort- an den Nachnamen Tiele-Winckler. Sie bildeten somit den Ursprung einer der mächtigsten adeligen Familien in Schlesien. Hubert von Tiele-Winckler sorgte nun für den weiteren Ausbau des Schlosses. Die Arbeiten (nach einem Entwurf des Berliner Architekten Richard Lucae) wurden ab 1855 in mehreren Etappen durchgeführt und dauerten vier Jahre. Damals entstanden zwei Flügel im Stil der englischen Neogotik. Mit ihrer Aufteilung in Blöcke und den vier Türmen und Zinnen erinnerte die Residenz an ein mittelalterliches Schloss. Die Baumeister Heinrich August Nottebohm und Koeppen (Schüler der Berliner Bauakademie) hatten während der Errichtung des Objekts noch zahlreiche korrigierende Änderungen vorgenommen. Bis 1859 wurden 145.000 Taler für den Bau verausgabt. Die senkrechte Dominante des östlichen neogotischen Flügels des gesamten Komplexes bildete der achteckige, rund 35 Meter hohe Schwalbenturm. Seinen Namen verdankte er einem über der Eingangstür angebrach- ten Flachrelief, das ein Schwalbennest abbildete. Zum Turm führte eine repräsentative Auffahrt. Vor dem Turm befanden sich eine ovale Grünfläche und ein Spring - brunnen, der mit der Skulptur »Knabe mit Schwan« des bekannten oberschlesischen Bildhauers Theodor Kalide (ein Schwager Franz Wincklers) verziert war. Die nördliche Ecke des Flügels wurde von einem runden Wasserturm flankiert, in dem ein Wasserbehälter und Wasserleitun - gen verbaut waren, die das Wasser aus dem Untergrund des Bergwerks »Maria« beförderten. In diesem Teil des Schlosses war auch die Küche. Der Westflügel, der sich fragmentarisch bis heute erhalten hat, wurde von einem rechteckigen Pulverturm dominiert, der von Verteidi- gungstürmen mittelalterlicher Schlösser inspiriert war. Von Nordwest schloss ein runder Turm ohne genauere Bezeichnung die Gesamtheit ab. Von innen war der Turm mit einem Pflanzenfries verziert. In die - sem Teil des Schlosses befand sich ein großer Saal mit einem neogotischen Ge- wölbe, der Blumenhalle genannt wurde. Im nördlichen Teil lag die Taufkapelle, in der, mit Ausnahme der ältesten Toch- ter, alle Kinder von Valeska und Hubert von Tiele-Winckler getauft worden sind. Die gotischen Spitzbogenfenster waren mit bunten Glasfenstern verziert (eines davon zeigte die Heilige Hedwig). Im Obergeschoss befand sich ein Bildersaal Eindrucksvoll war auch der Innenbereich

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