Das Friedenshortwerk – Hausmagazin

48 Was war ausschlaggebend für die Teilnahme an der Weiterbildung? Habt ihr im Vorhinein bereits Erfah- rungen mit rechtsorientierten Jugendlichen gemacht? Rouven: Berührungspunkte gab es bisher noch keine, aber die Thematik ist sehr präsent, denn sie betrifft oft unsere Zielgruppe. Die rechtsextremen Gruppierungen schauen nämlich meistens auf schwächere Kinder. Was genau beinhaltet das VIR-Konzept bzw. die moti- vierende Gesprächsführung? Sophie: Ein wichtiges Schlagwort ist hier das sogenannte Tür-und-Angel-Gespräch, also kurze Interventionen von zum Beispiel zehn Minuten, in Phasen, in denen eine lan- ge Beratung noch keinen Sinn machen würde. Die Inter- ventionen können spontan im Gruppenalltag passieren. Rouven: Das Konzept der motivierenden Gesprächsfüh- rung kommt aus der Suchtberatung. Es geht hier um das Setzen von Impulsen in kurzen Gesprächen. Veränderungsimpulse setzen bei rechtsorientierten Jugendlichen Welche Impulse können das sein? Sophie: Wir setzen am Anfang an, es geht darum, erst mal ins Gespräch zu kommen, ohne jemanden zu verur- teilen, und darum, eine Vertrauensbasis aufzubauen. Rouven: Die Szene sucht sich junge Menschen, die vor- her keine oder wenig Wertschätzung erfahren haben. Es handelt sich oft um Außenseiter oder Jugendliche aus sozial schwächeren Familien. Sie finden dort ein Zusam - mengehörigkeitsgefühl, das sie aus ihrer Familie vielleicht so nicht kennen. Wir können diesen jungen Menschen in kurzen Gesprächen vermitteln: Du bist so akzeptiert, wie du bist. Du bist auch jemand ohne die Szene und ich in- teressiere mich für dich. Sophie: Es gibt keine vorgefertigten Sätze, die man ein- fach so 1 : 1 anwenden kann. Die Impulse sind ganz indi- viduell. Letztendlich geht es darum, neugierig und offen zu sein und eine Beziehung zu dem Kind oder Jugend- lichen aufzubauen. Die Friedenshort-Mitarbeiter Sophie Richter (AH Wildweg) und Rouven Gommers (WG Niederschelden) haben jüngst eine Trainer-Ausbildung zum Thema »Veränderungsimpulse setzen bei rechtsorientierten Jugendlichen und jungen Erwachse - nen«, kurz VIR, absolviert. VIR ist laut Veranstalter ein Qualifizierungskonzept für Personen, die beruflich oder ehrenamt - lich mit rechtsorientierten Jugendlichen oder jungen Erwachsenen in Kontakt sind. Angesprochen werden Jugendliche und junge Erwachsene, die sich in einer Phase der Annäherung an rechtsextremistische Cliquen, Organisationen oder Parteien befinden. In einem Gespräch mit Redakteurin Christina Hohmann aus dem Öffentlichkeitsreferat erzählten Sophie Rich - ter und Rouven Gommers, was sie aus der Fortbildung mitgenommen haben, bei der unter anderem auch ein Szene-­ Aussteiger von seinen Erfahrungen erzählt hat. AUS DEN REGIONEN

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