Das Friedenshortwerk – Hausmagazin
Meine Erfahrung hat gezeigt, dass unsere Bewohnenden das Gespräch selten ablehnen. Oft brauchen sie nur Zeit, um darüber nachzudenken, da es für viele zunächst ein unangenehmes Thema ist. Als erster Schritt wird ein Ge- sprächstermin vereinbart. Ein solches Gespräch kann sehr emotional für alle Beteiligten sein und darf Zeit beanspru- chen. Dies verlangt auch mir oft Durchhaltevermögen ab. Es ist besonders wichtig, die Bewohnerwünsche richtig zu verstehen und wertfrei zu akzeptieren. Manchmal kann es notwendig sein, auf Hilfe von anderen Mitarbeitern, Angehörigen und Betreuern zurückzugreifen. Diese sind unter Umständen in der Lage, den einen oder anderen Wunsch des Bewohners besser zu verstehen. Dies ist vor allem bei Bewohnenden mit Demenz von großem Vorteil. Ganz besonders bin ich auf die Unterstützung der Kolle- ginnen und Kollegen aus der Eingliederungshilfe ange- wiesen, die bei Gesprächen mit den Bewohnenden unse- rer Wohngruppen dabei sind und sie besser kennen. Hier gewinne ich nach und nach an Erfahrung. Letztere ist besonders wertvoll und aus meiner Sicht wichtiger als theoretische Quellen aus Büchern oder dem Internet. Die Identität eines Menschen genauso wie die Individualität der Wünsche sind wichtige Bestandteile in der Planung, die man nur bedingt aus einem Buch oder dem Internet lernen kann. Nötig ist der persönliche Zu- gang zu den Menschen auf der Basis des Vertrauens, und das wiederum benötigt Zeit, Einfühlungsvermögen und Übung. Leider sind dies genau die Aspekte, die seit Aus- bruch der Corona-Pandemie schwer zu erfüllen sind. Seitdemwar esmir kaumnochmöglich, weitere Gespräche zu führen. Schutzmasken, Eindämmungsverordnungen, Kontaktverbote u. v.m. schränken die Möglichkeit zu ei- nem empathischen Gespräch in einem erheblichen Maße ein. Es ist eine Herausforderung, ein derart schwieriges emotionales Gespräch mit einer Maske im Gesicht bzw. mit einer Scheibe zwischen mir und dem Gesprächspart- ner zu führen. Nicht einmal die Hand halten zu dürfen, wenn die Gesprächssituation es eigentlich erfordert, empfinde ich als belastend. Wir sehen es als unsere Aufgabe, Bewohnenden in den verschiedenen Wohngruppen nicht nur in ihrer aktiven Lebensphase zur Seite zu stehen. Wir wollen ihnen auch ganz besonders in schweren Lebensabschnitten oder der letzten Lebensphase Sicherheit und Geborgenheit geben. Ich hoffe, durch meine Tätigkeit die Wünsche und Be - dürfnisse unserer Bewohnenden, so gut es möglich ist, zu erfüllen, um ihnen die letzte Lebensphase so angenehm wie möglich zu gestalten. Irina Fuhr – Einrichtung Heiligengrabe AUS DEN REGIONEN 43 Abb. li.: Irina Fuhr © Symbolfoto pattilabelle /Adobe Stock
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