Das Friedenshortwerk – Hausmagazin

SONDERTHEMA CORONA Familien dazu. Torsten Stephany: »Die Situation war für die Kolleginnen und Kollegen sehr belastend, weil sie nicht den Umfang an Hilfe aus der Ferne bieten konnten, der eigentlich nötig gewesen wäre. Aber sie haben nie den Kontakt abreißen lassen. Im Bereich des Kinderschut- zes blieben zudem durchweg persönliche Kontakte und Überprüfungen möglich.« Anders gelagert waren die Herausforderungen in der sta- tionären Jugendhilfe. In den Wohngruppen leben bis zu neun Kinder und Jugendliche unter einem Dach, rund um die Uhr sind pädagogische Mitarbeitende für sie da. »Es war recht schwierig, den jungen Menschen die seit Ende März notwendigen Kontaktreduzierungen begreiflich zu machen«, berichtet Bereichsleiterin Andrea Krumm-­ Tzoulas (Einrichtung Freudenberg/Siegen). Besuchs- kontakte waren nahezu vollständig eingeschränkt. Eine Wochenend-Heimkehr in die Herkunftsfamilie, eigentlich gängiges Element der stufenweisen Erprobung familiären Zusammenlebens und der Kontaktpflege, musste unter - bleiben. Die Mitarbeitenden ließen sich einiges einfallen, um den Tagesablauf kreativ zu gestalten (siehe geson- derten Bericht in diesem Heft). Unerwartet schwierig gestaltete sich zunächst das Ein- kaufen, welches für Mitarbeitende und betreute Kinder und Jugendliche mengenmäßig auf rund ein Dutzend Personen ausgelegt sein muss. »Da gab es nicht nur beim Toilettenpapier böse Blicke, sondern auch bei anderen Waren wie Mehl die Verweigerung, die nötigen Mengen auszuhändigen«, erzählt Carmen Louis, Einrichtungslei- tung Northeim. Bedingt Abhilfe verschaffte eine flugs er - stellte Bescheinigung, mit der sich die Mitarbeitenden als Einkäufer für eine Großgruppe ausweisen konnten. In der Arbeit für Menschen mit Behinderungen in Berlin und Heiligengrabe kamen noch andere Herausforderun- gen dazu. »Die Menschen, die bei uns leben, waren völ- lig aus ihrem gewohnten Ablauf gerissen, zum Beispiel dem Besuch in Werkstätten oder gruppenübergreifen- den Aktivitäten«, sagt Helena Scherer, Regionalleiterin der Tiele-Winckler-Haus GmbH. Auch Kontakte zu den Angehörigen mussten über viele Wochen hinweg unter- bleiben, was auch in den beteiligten Familien nicht immer auf Verständnis stieß. Herausgerissen aus dem gewohnten Alltag Eine große Schwierigkeit bestand darin, diese Einschrän- kungen den Bewohnerinnen und Bewohnern überhaupt erklären zu können. »Wir haben Broschüren in Leich- ter Sprache verwendet oder auch kleine Filme, um das Corona-Virus und seine Auswirkungen zu vermitteln«, berichtet Matthias Fickler, Leiter von Haus Sonnen- land in Heiligengrabe. Der »Lockdown« blieb aber nicht ohne Auswirkungen. »Je länger dieser Zustand andauer- te, desto stärker war zu beobachten, was es mit den bei uns lebenden Menschen macht«, ergänzt Stephan Drüen (Einrichtungsleitung Heiligengrabe). Nervosität bis hin zur Aggressivität oder völliges Zurückziehen waren zu beobachten. Stephan Drüen ist daher sehr dankbar, mit welch großer Empathie und Achtsamkeit seine Teams auf die herausfordernde Situation reagierten. »Auch für die Schwesternschaft ist die Situation sehr belastend«, berichtet Oberin Sr. Christine Killies. Mit der Zuspitzung des Infektionsgeschehens und der Corona-Schutzverordnungen wurde das gewohnte schwesternschaftliche Leben zunehmend eingegrenzt: 18

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