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27.03.2012 08:52 Alter: 7 Jahr(e)

Experiment geglückt: Integrative Projekt-Woche in Indien erfolgreich

Kategorie: Stiftung Diakonissenhaus Friedenshort

VON: HENNING SIEBEL

Helena Scherer, Regionalleitung der Tiele-Winckler-Haus GmbH in Berlin, leistet neben Sr. Beate Böhnke regelmäßig fachliche Hilfe bei unserem sozial-missionarischen Projekt „Shanti“ in Indien. Der jüngste Besuch war ein besonderer.

"Me - you - we - together" - so war die inklusive Projektwoche betitelt

"Me - you - we - together" - so war die inklusive Projektwoche betitelt

Teamsitzungen – eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Projektarbeit. Hier mit Sr. Beate Böhnke

Teamsitzungen – eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Projektarbeit. Hier mit Sr. Beate Böhnke

Aus einer schmucklosen Röhre entstand im Projekt ein farbenfrohes Spielgerät

Aus einer schmucklosen Röhre entstand im Projekt ein farbenfrohes Spielgerät

Auch Gartenarbeit kann Spaß machen

Auch Gartenarbeit kann Spaß machen

Eine Projektpräsentation war wichtiger Bestandteil / Foto im Text links: Konzentriert ging es auch beim Tanz-Projekt zur Sache

Eine Projektpräsentation war wichtiger Bestandteil / Foto im Text links: Konzentriert ging es auch beim Tanz-Projekt zur Sache

In einem Interview für unsere Website erläutert Helena Scherer Ziele, Ablauf und Ergebnisse der Projektwoche. 

Frage: Ihre fachliche, anleitende Arbeit im Rahmen der Behindertenhilfe im Indien-Projekt war diesmal anders als bei Ihren früheren Besuchen in Tamaram. Warum?

Scherer: Weil wir etwas gewagt haben, was in dieser Form noch nie dort gemacht wurde, nämlich eine Projektwoche, in der nun wirklich alle in Tamaram eingebunden waren: Kinder mit und ohne Behinderung aus den Wohnheimen, den Schulen, einschließlich der Sonderschule, den Lehrern aus den verschiedenen Jahrgangsstufen und den therapeutischen Mitarbeitenden.

Frage: Wie lief dies ab?

Scherer: Es sind Gruppen gebildet worden mit sechs bis acht Kindern plus Betreuer, so dass maximal 12 Personen in einem Projekt arbeiteten. In den Gruppen waren sowohl Kinder ohne Behinderung als auch mit unterschiedlichem Grad von Behinderungen zusammen. Je nach Interesse konnte aus sechs Projekten gewählt werden. Dazu gehörten das Gestalten von zwei großen Rohren als Spielgerät, das Anlegen eines Gartens, das Anlegen von Spielfeldern für verschiedene Sportarten, das Einstudieren eines Tanzes, eine Foto-Reportage zur Lebenswelt von Bauern aus der Umgebung und das Erstellen einer Schülerzeitung. Für mich war es extrem hilfreich, dass Sr. Beate bis zu meiner Ankunft dies schon sehr gut vorbereitet hatte. Ich war zuvor bei der Entwicklung der Ideen und der theoretischen Ausarbeitung eingebunden, für die praktische Vorbereitung war meine Zeit vor Ort aber natürlich zu begrenzt. Das musste vorher laufen.

Frage: Wie würden Sie die wesentlichen Erfahrungen beschreiben?

Scherer: Es war für alle ein sehr großer Lernprozess. Zum Beispiel kannten sich die Kinder mit und ohne Behinderung zwar oft vom Sehen, aber noch nie haben sie derart intensiv gemeinsam an einer Sache gearbeitet. Das war etwas völlig Neues. Denn es galt nun, sich aufeinander einzulassen. Das hat man zum Beispiel in der Gruppe gemerkt, in der gehörlose Kinder dabei waren. Das dauerte etwas, bis die Zusammenarbeit klappte, lief dann aber gut. Und auch für die Erwachsenen war es ein Lernprozess, der vornehmlich darin bestand, nicht einfach etwas vorzugeben. Zum Beispiel bei der Schülerzeitung. Hier hatten zunächst die Erwachsenen ruck-zuck schon etwas ausgearbeitet und die Kinder saßen zunächst unbeteiligt dabei. Es sollte aber eine Zeitung von Schülern für Schüler werden. Als ich in der Begleitung der Projekte dies ansprach, hat die Gruppe dann auch den „Dreh“ bekommen. Gerade in dieser Gruppe sind die Kinder im Laufe des Projektes enorm gewachsen, sie sind viel selbstsicherer geworden, als sie merkten, dass ihre eigenen Ideen gefragt sind. Oder bei dem Bemalen der Spielgeräte war ein Kind dabei, was künstlerisch schon total gut war aber daher auch alles bestimmen wollte. Die Kinder mit Behinderungen mussten erst lernen, sich auch zu artikulieren, um mitbestimmen zu können. Auch in den anderen Gruppen haben die nicht-behinderten Kinder gemerkt, was ihre Mitschüler drauf haben, obwohl diese eine Behinderung haben. Ich denke, es ist auch nicht schlimm, wenn nicht direkt alles glatt lief, ein solches Projekt soll ja einen Lerneffekt haben. Es war zum Beispiel auch nicht leicht, für die Foto-Gruppe außerhalb des Campus den Kontakt zu den Bauern herzustellen und diese zu interviewen. Aber letztlich wurde es eine interessante Erfahrung – und zwar für beide Seiten.

Frage: Gab es so etwas wie einen offiziellen Abschluss des Projektes?

Scherer: Ja, das war uns sehr wichtig! Alle Projekte wurden an einem Präsentationstag vorgestellt, die Leitenden Mitarbeitenden waren dabei, auch Einrichtungsleiter Bischof Komanapalli und auch unser Vorstand mit Pfr. Leonhard Gronbach, der zu diesem Zeitpunkt vor Ort war. Indem jede Gruppe ihr Projekt vorgestellt hat, erfolgte die wichtige Reflexion und die Gruppen erhielten die nötige Anerkennung und Aufmerksamkeit.

Frage: Ist an eine Wiederholung gedacht?

Scherer: Es hat allen viel Freude gemacht und meine Hoffnung ist daher, dass es weitergeht. Das muss gar nicht als Projekt neu organisiert sein, sondern es wäre natürlich toll, wenn ein gewisser Automatismus im Miteinander eintritt. Anzeichen dafür gab es schon. So will zum Beispiel die Tanzgruppe weitermachen und auch die Schüler-Zeitungs-Gruppe wird weiterarbeiten. Ich denke, mit dieser Projekt-Woche ist ein Grundstein gelegt.

Links:

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