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16.05.2003 00:00 Alter: 16 Jahr(e)

Ökumenischer Kirchentag Berlin 2003 - Wir sind dabei

VON: HENNING SIEBEL


Unser Stand wird einem Atelier gleichen. Maßstabsgerecht simuliert bei einem Vorbereitungstreff. Unser Bild zeigt Kunsttherapeut Gerald Auler beim Säubern im Anschluss an die Probe-Malaktion - Bild: Siebel


Solche Kreuze sollen beim Kirchentagsstand entstehen - Bild: Siebel


Vorbereitungstreffen mit Arbeitsgruppen. Wolfgang Kroeber (ifak) unterstützte die Planungen. Hier mit Anne Borrmann und Judith Neyen - Bild: Siebel


Kunst-Probe für den Kirchentag: Marina Kielkowski (li.) und Jeannette Mierau - Bild: Siebel

Es ist eine Premiere: Vom 28. Mai bis 1. Juni 2003 findet in Berlin erstmals ein Ökumenischer Kirchentag statt, zu dem über 100.000 Teilnehmer erwartet werden. Christen aller Konfessionen treffen sich, um einander unter dem Motto ?Ihr sollt ein Segen sein? zu begegnen, sich mit dem Anderen auseinander zu setzen, über Themen zu diskutieren, die die Welt beschäftigen und natürlich um miteinander zu feiern. Schauplatz des Ökumenischen Kirchentags ist sowohl Berlin Mitte als auch das Messegelände. Hier findet neben den bereits erwähnten Diskussionsforen und Themenzentren auch die so genannte Agora statt. Der griechische Begriff ?Agorá? bezeichnet den öffentlichen Platz, auf dem sich das gesellschaftliche Leben abspielt ? dementsprechend präsentieren sich auf der Agora des Ökumenischen Kirchentages große und kleine Gruppen aus Kirche und Gesellschaft mit ihren Ideen und Projekten. Über 1.000 Gruppen sind dabei. Für einen - hoffentlich unübersehbaren - Farbtupfer im besten Wortsinn möchte der Friedenshort sorgen, der seine Arbeit mit behinderten Menschen in Berlin (Tiele-Winckler-Haus GmbH) und Heiligengrabe in besonderer Weise vorstellt: ?Menschen mit geistiger Behinderung laden dazu ein, in eine kreative Welt einzutauchen? ? das ist die Kurzformel, die Helena Scherer, Regionalleiterin des Tiele-Winckler-Hauses, für den Messe-Stand gefunden hat, der Bestandteil des übergeordneten Themenkomplexes ?Menschenwürde achten ? die Freiheit wahren? ist. Sie finden uns in Halle 1, Zweite Ebene, Gang E, Stand 04 auf dem Messegelände Berlin-Charlottenburg.Auseinandersetzung mit dem Kreuz Kreativität ist dabei keine bloße Floskel: Der Stand wird die Atmosphäre eines 32 Quadratmeter großen Ateliers haben. Auf den Staffeleien ruhen dabei keine Leinwände, sondern rund 1,80 Meter hohe und 1,50 Meter breite Holzkreuze. Weiß grundiert warten Sie darauf, dass sich Menschen künstlerisch mit dem Symbol ?Kreuz? auseinander setzen. Die Idee stammt von den Kunsttherapeuten Oliver Teuscher und Gerald Auler, die schon seit einiger Zeit die kreativen Fähigkeiten der Bewohner des Tiele-Winckler-Hauses fördern. Beim gemeinsamen künstlerischen Gestalten der Kreuze durch Menschen mit und ohne Behinderungen können auf ganz ungezwungene Art und Weise eventuelle Berührungsängste abgebaut werden. Den Mut und die Ideen finden, persönliche Berührungspunkte am Kreuz mit Farben zu offenbaren ? das ist die Einladung. Zugleich ist das Kreuz das zutiefst ökumenische Symbol, es eint die Christen in ihrem Glauben, als Zeichen der Liebe Gottes zu seinen Menschen, als Überwindung des Todes in österlicher Auferstehungshoffnung. Anderseits: Für manche ist es vielleicht nur noch ein Schmuckstück, andere denken an düstere Zeiten, als im Zeichen des Kreuzes Völkern Gewalt angetan wurde. Sich auseinandersetzen, mit anderen, mit den eigenen, vielleicht noch unklaren Gedanken, der Mehrdeutigkeit des Kreuzes - im Gespräch, im Malen, im Betrachten der bemalten Kreuze ? hierzu ist Gelegenheit. Damit die Auseinandersetzung mit dem Kreuz nicht schon nach vier Kirchentags-Tagen endet ist geplant, die bemalten Kreuze bei Berliner Kirchengemeinden auszustellen. Schon seit geraumer Zeit laufen die Vorbereitungen im Berliner Tiele-Winckler-Haus ? unterstützt vom Öffentlichkeitsreferat in Freudenberg ? auf Hochtouren. Die beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investieren ? neben ihren alltäglichen Aufgaben ? viel Zeit und Kraft in das ?Projekt Berlin?. Vieles muss bedacht werden, manches wird sich vermutlich als ungeplante Überraschung während des Kirchentags noch herausstellen. Dabei ist eine große Aufgabe durch die Größe des Ökumenischen Kirchentags vorgegeben: wahrgenommen zu werden und Aufmerksamkeit zu erzielen. Im Vorfeld durch Publikationen verschiedenster Art, gedruckt und ?online?, während des Kirchentags, indem die Starrheit des Standes durchbrochen wird und Kleingruppen mit noch unfertigen Kreuzen im Agora-Gelände auf den Stand hinweisen. Spannung und Anspannung angesichts eines solchen Großereignisses sind gleichermaßen vertreten. Aber eines wäre wirklich schön: Kreuzen sich unsere Wege in Berlin? Noch ein paar Hintergrundinformationen: Bereichert durch Programmelemente sowohl des Evangelischen Kirchentags als auch des Katholikentags warten neben Vorträgen, Diskussionsforen, Bibelarbeiten und Themenzentren auch eine hohe Anzahl an kulturellen Events auf den Kirchentagsbesucher, denn natürlich darf ? bei aller notwendigen Ernsthaftigkeit - auch die Unterhaltung nicht zu kurz kommen: Ob nun Konzerte, Filme, Kleinkunst oder Kabarett, es ist immer was los und vieles ist unter freiem Himmel für jeden zugänglich. Der Kirchentag wird mit einem ökumenischen Gottesdienst ?open air? eröffnet und abgeschlossen. Direkt an die Eröffnung schließt sich der ?Abend der Begegnung? an - ein Straßenfest, das ?Unter den Linden?, zwischen Brandenburger Tor und Lustgarten, stattfindet. Auf rund 20 Bühnen und Podien gibt es ein abwechslungsreiches Programm und auch zwischen den Ständen, an denen Berliner und Brandenburger Gruppen zum Essen oder Spielen einladen, finden immer wieder kleinere Schauspiele statt.