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17.03.2019 12:03 Alter: 122 Tag(e)

Indien-Projekt „Shanti“: Zukunftswünsche kreativ aufgegriffen

Kategorie: Stiftung Diakonissenhaus Friedenshort

VON: HENNING SIEBEL

Im Interview berichtet Helena Scherer, Regionalleiterin der Tiele-Winckler-Haus GmbH, über die aktuelle fachliche Unterstützung beim Aufenthalt in Indien im März 2019.

Helena Scherer erläutert die Vorgehensweise...,

Helena Scherer erläutert die Vorgehensweise...,

... zu jedem der vier Kinder wurde in einer Kleingruppe gearbeitet

... zu jedem der vier Kinder wurde in einer Kleingruppe gearbeitet

In Stationen wurden die Ergebnisse des Sinnen-Projekts präsentiert.

In Stationen wurden die Ergebnisse des Sinnen-Projekts präsentiert.

Hier reicht Lisa Illner ein Gewürzschälchen an der Station „Geschmackssinn“

Hier reicht Lisa Illner ein Gewürzschälchen an der Station „Geschmackssinn“

Matratzen für die Kinder in den Wohnheimen sorgen für ein ganz neues Schlaferlebnis. Die Matratzen aus Deutschland hatte der Vater von Lisa Illner aquiriert

Matratzen für die Kinder in den Wohnheimen sorgen für ein ganz neues Schlaferlebnis. Die Matratzen aus Deutschland hatte der Vater von Lisa Illner aquiriert

Begleitet wurde sie zum 2. Mal von TWH-Mitarbeiterin Lisa Illner (Sozialpädagogin und Kindertherapeutin). Im Gespräch mit Öffentlichkeitsreferent Henning Siebel erläutert sie, um welche Themen es diesmal ging.

Worin lag diesmal Ihre Unterstützung?

Es bestand der Wunsch, dass ich eine Art Fallbesprechung mache. Es ging um vier Kinder mit Behinderungen, für die kein rechter Zugang bestand, die Mitarbeitenden vor Ort suchten noch nach adäquatem Umgang und Möglichkeiten der Hilfe mit Blick auf deren zukünftige Entwicklung. Die Kinder waren im Alter von 9 bis 13 Jahren, davon zwei gehörlos und zwei mit einer geistigen Behinderung.

Wie lief das ab?

Beteiligt waren 23 Mitarbeitende, neben den Lehrerinnen und Lehrern, auch aus Logopädie und Physiotherapie. Zum größten Teil handelte es sich um recht neue Kolleginnen und Kollegen. Und ich selbst musste mir ja auch erstmal ein Bild von den Kindern machen. Methodisch bin ich nach dem EST-Programm vorgegangen, welches wir im Tiele-Winckler-Haus entwickelt haben: Entwicklung, Selbstbestimmung, Teilhabe. Das war sehr gut, weil die Mitarbeitenden sich nun intensiv mit diesen Kindern auseinandergesetzt haben. Über die Ergebnisse waren sie teils selbst etwas überrascht. In einer Runde hatten die Mitarbeitenden zum Beispiel die Aufgabe, sich in die Kinder hineinzudenken und zu überlegen, welche Wünsche an die eigene Zukunft die Kinder haben könnten. Insgesamt sind die Mitarbeitenden im Zuge dieser Methode den Kindern wirklich nähergekommen.

Waren die Kinder auch mit einbezogen?

Ja, das war auch wichtig. Ich habe auch die Kinder gefragt, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen. Es war für mich interessant, dass die Kinder sehr schnell und sehr konkret Wünsche geäußert haben, auch für eigene Berufe. So wollte eines der Mädchen Lehrerin werden, das andere Näherin und ein Junge Rechtsanwalt. Der andere Junge konnte sich aufgrund seiner schwerstmehrfachen Behinderung nicht artikulieren. Wir konnten aber herausfinden, dass er unter starkem Heimweh litt. Die Mitarbeitenden haben dann zeichnerisch diese Wünsche umgesetzt, zum Beispiel in Form eines schönen Rechtsanwaltsbüros für den Jungen oder eine Schulklasse für das Mädchen mit dem Lehrerwunsch. Das war sozusagen die Grundlage für die Überlegung, wie man die Kinder nun gezielt fördern kann, auch mit Blick auf deren Zukunftsvorstellungen.

Wie sah das konkret aus?

Wir haben für alle Kinder kleine Projektideen entwickelt, die auch umsetzbar sind. Der Junge mit dem Anwaltswunsch darf einen Rechtsanwalt besuchen und wird danach die Möglichkeit haben, an einem Gerichtsprozess teilzunehmen. Später hat er die Aufgabe, seiner Klasse davon zu berichten. Das Mädchen mit dem Lehrerwunsch darf im Wechsel mit anderen Kindern Klassensprecherin sein. Hierzu wurde sogar die Schulregeln verändert, weil bisher immer dafür Kinder ausgesucht wurden, die man aufgrund ihrer Stärken für geeignet befand und nicht die eher schwächeren Kinder.

Der Junge mit dem Heimweh bekommt eine Box für Fotos von Zuhause und Lieblingsgegenstände, so dass er immer etwas zum Wohlfühlen bei sich tragen kann. Anhand der gezeichneten Bilder haben dann die Mitarbeitenden den Kindern erläutert, womit wir uns beschäftigt haben. Das hatte ich zuvor auch den Kindern versprochen. Und man hat gemerkt, wie sehr sie sich dadurch auch wertgeschätzt gefühlt haben.

Mitarbeiterin Lisa Illner hatte in der Zeit ein eigenes Projekt?

Ja, sie hat mit insgesamt acht Kindern in einem Workshop gearbeitet, es waren sehr unterschiedliche Kinder, teils auch mit herausforderndem Verhalten. Darin ging es um die sechs Sinne, jeden Tag um einen anderen. Unterstützt wurde sie von Karl Komanapalli, dem Sohn von Bischof Jeevan. Er ist übrigens ein Naturtalent im Umgang mit Kindern, obwohl er in Deutschland gar nicht in einer Fachrichtung wie Pädagogik oder ähnlichem studiert.

Die Gruppe war oft auch draußen unterwegs. Beim Sehen ging es zum Beispiel um Farben. Die Kinder haben Gegenstände gesucht und den Farben zugeordnet. Beim Riechen ging es um Gerüche, die die Kinder aus ihrem Lebensalltag kennen, zum Beispiel um verschiedene Gewürze. Zum Abschluss wurden die Ergebnisse des Workshops präsentiert, zu jedem Sinn hatte Lisa mit den Kindern eine Station aufgebaut.

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