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03.04.2018 11:34 Alter: 17 Tag(e)

Schritt für Schritt ins selbständige Leben

Kategorie: Evangelische Jugendhilfe Friedenshort

VON: JENS KLAPPERT, PÄDAG. MITARBEITER EINRICHTUNG FREUDENBERG/SIEGEN, HENNING SIEBEL

Am Beispiel eines jungen Flüchtlings zeigt sich auch die passgenaue Hilfe der Ev. Jugendhilfe Friedenshort - von der Inobhutnahme und Wohngruppe, bis zum Betreuten Wohnen und Ambulanter Hilfe.

Friedenshort-Mitarbeiter hilft zum Beispiel bei Fragen zu behördlichen Schreiben

Friedenshort-Mitarbeiter hilft zum Beispiel bei Fragen zu behördlichen Schreiben

Beim Umgang mit dem PC stellt sich Hilalludin geschickt an

Beim Umgang mit dem PC stellt sich Hilalludin geschickt an

Zum selbständigen Leben gehört natürlich auch das Kochen

Zum selbständigen Leben gehört natürlich auch das Kochen

Freudenberg/Siegen. Über die Hilfen für junge Menschen, die aus ihrem Herkunftsland vor Krieg und Terror geflüchtet sind, haben wir in den letzten drei Jahren mehrfach berichtet. Ging es 2015/16 zunächst darum, ihnen ein sicheres Zuhause zu bieten, die Kriegs- und Fluchterlebnisse zu bewältigen und die ersten Schritte zur Integration in die hiesige Gesellschaft zu ermöglichen, haben sich die Anforderungen, die an die Evangelische Jugendhilfe Friedenshort gerichtet werden, nun größtenteils verändert. Dies lässt sich beispielsweise gut an der Einrichtung Freudenberg/Siegen (Region West) zeigen. Die Wohn- und Betreuungsformen für junge Flüchtlinge sind angepasst an das Ziel, mehr und mehr auf ein selbständiges Leben in Deutschland vorzubereiten.

Im Dezember 2015 wurde im Bereich Siegen die erste Jugendwohngemeinschaft (JWG Johanneshütte) eröffnet und in der Folge kamen noch einige dazu. Die jungen Menschen leben hier in einer Art „betreuten WG“. Im Unterschied zur Wohngruppe oder Inobhutnahme sind keine sozialpädagogischen Mitarbeitenden mehr rund um die Uhr anwesend, sondern nur zeitweise. Wenn alle Beteiligten zu der Bewertung kommen, dass ein weiterer Schritt in die Selbständigkeit möglich und sinnvoll ist, folgt der Übergang in eine eigene Wohnung. Auch in einer solchen sozialpädagogisch betreuten Wohnform gibt es natürlich Unterstützung, die sich abgestuft und passgenau auf den Hilfebedarf ausrichtet. Und schließlich folgt die so genannte Ambulante Hilfe, bei denen die jungen Menschen im Bedarfsfall Unterstützung erhalten, aber ihr Leben weitgehend selbständig meistern.

Diesen aufgezeigten Weg hat zum Beispiel Hilalluddin Haidari beschritten. Er war einer der ersten Bewohner der JWG Johanneshütte. Hilalluddin kam nach seiner Flucht aus Afghanistan in die Inobhutnahme in Freudenberg. Obwohl noch minderjährig, zeigte er recht bald die nötige Reife und notwendige Selbständigkeit für einen Umzug in eine Jugendwohngemeinschaft. Persönliche Stärken wie Zuverlässigkeit und Motivation aber auch der Wille zur Integration, eröffneten Hilalluddin die Möglichkeit, im November 2016 in eine eigene Wohnung umzuziehen. Für ein halbes Jahr wurde Hilalluddin zunächst noch im Rahmen des sozialpädagogisch betreuten Wohnens („SBW“) intensiv betreut. In dieser Zeit konnte er die Realschule in Freudenberg mit der Mittleren Reife erfolgreich abschließen. Sein schulischer Ehrgeiz war damit jedoch noch nicht zufriedengestellt, zumal Hilalluddin den Wunsch hegte, ein Studium zu absolvieren. Die Mitarbeitenden des Friedenshortes bestärkten ihn daher darin, das Abitur zu erlangen. Seit August 2017 besuchte er daher die Höhere Handelsschule in Siegen. Zeitgleich wurde die „stationäre“ Jugendhilfe beendet, das Jugendamt ermöglicht aber weiterhin eine ambulante Hilfe. Damit hat er eine weitere Hilfestellung, um sich immer besser in Deutschland einschließlich aller – auch formellen – Anforderungen zurechtzufinden.

Die intensive über zweijährige Betreuung hat auch Vertrauen aufgebaut. Zusammen mit „seinem“ pädagogischen Friedenshort-Mitarbeiter Jens Klappert, konnte Hilalluddin auch der schwierigen Situation entgegentreten, die sich im November 2017 ergab. Hilalluddin erhielt von Seiten des BAMFs einen Ablehnungsbescheid seines Asylantrags mit der Aufforderung, das Land zu verlassen. Diese für ihn schlechte Nachricht musste gemeinsam verarbeitet werden. Nach Einreichung einer Klage als Widerspruch gegen die Ablehnung war es der Wunsch, den Weg in eine berufliche Ausbildung einzuschlagen. Hilalluddin erhielt im Dezember 2017 die Möglichkeit, ein Praktikum im Einzelhandel zu absolvieren. Auch hier zeigte er seine Qualitäten, so dass in Kooperation mit dem „Integration Point“ der Arbeitsagentur eine Einstiegsqualifizierung ermöglicht wurde. Seit Februar 2018 befindet sich Hilalluddin nun in dieser EQ- Maßnahme mit der klaren Zusage seitens des Betriebes, bei weiterem positivem Verlauf ab Sommer 2018 in ein reguläres Ausbildungsverhältnis übernommen zu werden. Unabhängig vom Ausgang seines Asylverfahrens, welches außerhalb und unabhängig von der Jugendhilfe ist, sind wir froh, Hilalluddin bei seiner bislang sehr gelungenen Integration begleitet zu haben.