18.12.2018 |  Kontakt | Sitemap | Impressum | Datenschutz | Haftungsausschluss

Liebe macht sehend: Mutter Evas Glaube führt zu diakonischem Handeln

Eva von Tiele-Winckler als junge Erwachsene, das Bild kann nicht genau datiert werden.
Eva von Tiele-Winckler als junge Erwachsene, das Bild kann nicht genau datiert werden.
Das erste Haus für hilfebedürftige Menschen erhält den Namen Friedenshort und wird am 28. September 1890 seiner Bestimmung übergeben. Dies gilt als Ursprungsdatum des gesamten Friedenshortwerkes.
Das erste Haus für hilfebedürftige Menschen erhält den Namen Friedenshort und wird am 28. September 1890 seiner Bestimmung übergeben. Dies gilt als Ursprungsdatum des gesamten Friedenshortwerkes.
Auf dem Warteberg bei Breslau entsteht 1910 die erste, so genannte Kinderheimat des Friedenshortes. Auf dem Giebel ließ Mutter Eva die Inschrift „Heimat für Heimatlose“ anbringen.
Auf dem Warteberg bei Breslau entsteht 1910 die erste, so genannte Kinderheimat des Friedenshortes. Auf dem Giebel ließ Mutter Eva die Inschrift „Heimat für Heimatlose“ anbringen.

Auf der Suche nach dem Sinn ihres jungen Lebens begegnete Eva von Tiele-Winckler der Botschaft der Bibel. Sie erkannte durch das Wort Jesu in Joh. 10: Diesem guten Hirten konnte und wollte sie ihr Leben anvertrauen. Beim weiteren Bibelstudium wurde ihr der Auftrag für ihr Leben deutlich (Jes. 58, 7ff.): „Brich dem Hungrigen dein Brot, und die in Elend sind, führe ins Haus […]. Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag […]. Und der Herr wird dich immerdar führen.“

Ihr Glaube wagte es, Hindernisse zu überwinden. Gott schenkte ihr sehende Augen und ein weites Herz für die Not in ihrer Heimat. Ihr Leitwort „Nichts unmöglich“ fand sie in der Bibel. Sie vertraute der Führung ihres Herrn. 

Nachdem ihr Vater seine zunächst vorhandenen Vorbehalte aufgab, konnte im September 1890 der diakonische Dienst der Eva von Tiele-Winckler offiziell beginnen: In das erste "Haus Friedenshort" zog sie als damals 23-Jährige ein – mit den ersten Hilfsbedürftigen. Schon bald wurde es recht eng in diesem Haus, denn sie kamen zahlreich: Alte, kranke und pflegebedürftige Menschen, Kinder ohne Heimat oder aus Familien, deren Armut zu groß geworden war, um sie versorgen zu können. Und sie alle bedurften ja auch der Betreuung und Pflege, so dass Hilfskräfte notwendig wurden. Gott schenkte Gnade – und auch finanzielle Mittel zum Wachstum dieser Arbeit, aus dem einmal ein großes, diakonisches Werk entstehen würde. 

Im Jahr 1892 besuchte Pastor Friedrich von Bodelschwingh den Friedenshort. Der väterliche Freund regte an, eine Schwesternschaft zu gründen. Als Eva vor Gott dieser Weg klar war und ihr Vater seinen Segen gern dazu gab, wurde Mutter Eva im August 1892 in Sarepta (Bielefeld) zur Diakonisse eingekleidet und gesegnet –  der Anfang der Friedenshort-Diakonissenschaft.

Heimat für Heimatlose

„Es war um die Zeit des Jahres 1909, einige Jahre vor dem ersten Weltkrieg, da gab es eine ungeheure Kindernot. Wir entdeckten sie erst allmählich, als immer mehr ganz dringende Notfälle uns bekannt wurden. Immer mehr Bitten um Aufnahme verlassener oder misshandelter Kinder fanden ihren Weg in den Friedenshort und ließen uns tiefe Blicke tun in das verborgene Elend vieler heimatloser Kinder. Fast täglich hörten wir von ähnlicher Not und diese Bitten legten sich unserer lieben Mutter Eva wie eine schwere Last aufs Herz. Es musste geholfen werden, aber wie? Im Friedenshort, unserem Schwesternmutterhaus, war kein Raum mehr um noch mehr hilfsbedürftige Kinder aufzunehmen, denn unsere Häuser waren schon alle überfüllt. Es waren auch keinerlei Geldmittel mehr da zu einer Erweiterung, denn Mutter Eva hatte bereits alles was sie besaß, ihrem Gott und Herrn hingegeben für seine Armen und Elenden." Diese Situationsbeschreibung stammt aus der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der "Heimat für Heimatlose". 

Ein denkwürdiges Weihnachtsfest im Jahr 1909 führt auf die Spur ihrer Entstehung. Mutter Eva – so wurde sie nun genannt – schreibt in ihr Tagebuch: „Es wird mir immer gewisser, dass Gott noch Größeres tun wird. Er legt das Kinderelend mit Macht auf mein Herz. […] Die Umrisse werden deutlicher, ich sehe immer klarer, was Gott will: Heimat für Heimatlose! Alle Dinge sind möglich bei Gott!“ Eva von Tiele-Winckler hatte den Namen für die neu entstehende Arbeit für notleidende, heimatlose Kindern erbeten … und gefunden. Diese Gedanken kleidete sie auch in ein gleichnamiges Gedicht.

Gottes Führung zeigte den weiteren Weg auf. Ein Breslauer Großkaufmann – er hatte das publizierte Initiates file downloadGedicht "Heimat für Heimatlose" gelesen – bot ein geeignetes Haus für die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen an, welches sich Eva von Tiele-Winckler zunächst anschaute. Nach der Besichtigung des Hauses auf dem Warteberg bei Breslau sagte der Besitzer zu Mutter Eva: „Ich bin bereit, Ihnen alles bedingungslos zu schenken; die einzige Bedingung ist, dass Sie sich darüber freuen möchten!“

Das war im April 1910. Bereits im Mai zogen Diakonissen und Kinder ein, in die erste Kinderheimat der „Heimat für Heimatlose“. 


Sr. Gisela Gericke + Henning Siebel